{"id":11397,"date":"2018-10-31T14:30:58","date_gmt":"2018-10-31T13:30:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=11397"},"modified":"2018-10-31T14:28:53","modified_gmt":"2018-10-31T13:28:53","slug":"die-rente-ist-gerecht-so-wie-sie-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/die-rente-ist-gerecht-so-wie-sie-ist\/","title":{"rendered":"\u201eDie Rente ist gerecht, so wie sie ist\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Ein komplexes Thema unterhaltsam, aber doch informativ und nachhaltig zu vermitteln, das ist eine Kunst, die Professor Dr. Bernd Raffelh\u00fcschen auf das Beste beherrscht. Der Direktor des Forschungszentrums Generationenvertr\u00e4ge an der Albert-Ludwigs-Universit\u00e4t Freiburg und Professor f\u00fcr Finanzwissenschaft war auf Einladung der Unternehmerschaft Siegen-Wittgenstein und der Industrie- und Handelskammer Siegen zu einer gemeinsamen Vortragsveranstaltung ins Haus der Siegerl\u00e4nder Wirtschaft gekommen. Sein Thema lautete: \u201eDemographie, Wirtschaft und Soziales \u2013 eine Tour d\u00b4Horizon\u201c &#8211; und die wurde es dann auch.<\/p>\n<div id=\"attachment_11398\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/vv-raffel1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-11398\" class=\"size-medium wp-image-11398\" src=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/vv-raffel1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/vv-raffel1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/vv-raffel1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/vv-raffel1.jpg 777w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11398\" class=\"wp-caption-text\">Professor Bernd Raffelh\u00fcschen hielt der alternden Gesellschaft den Spiegel vor.<\/p><\/div>\n<p>\u201eDas, was ich Ihnen heute erz\u00e4hle, ist nichts Neues, das kennen Sie alle schon.\u201c Gemeint war damit die demographische Entwicklung in Deutschland bis zum Jahr 2040. \u201eUnsere Gesellschaft altert. Diese Entwicklung geschieht nicht in der Zukunft, sie ist heute schon da. Die Alterspyramide hat einen ordentlichen Bauch. Das sind die geburtenstarken Jahrg\u00e4nge. Wenn die in die Rente gehen, haben wir ein gro\u00dfes Problem. Erst ab 2060 wird sich das Ganze wieder ausgleichen\u201c, erl\u00e4uterte Professor Raffelh\u00fcschen, der sich auch als Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) engagiert.<\/p>\n<p>Immer mehr Rentner m\u00fcssten von immer weniger Beitragszahlern immer l\u00e4nger finanziert werden. Das sei eine Tatsache. Und es gebe keine M\u00f6glichkeit, daran noch etwas zu \u00e4ndern. \u201eDas ist bereits Realit\u00e4t und nicht Zukunft.\u201c Die Politik ignoriere dieses Problem weitgehend und verlasse sich darauf, dass die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland auch weiterhin positiv verlaufe. Dabei sei das sehr unwahrscheinlich. \u201eWir hatten bis heute zehn Jahre ununterbrochenes Wirtschaftswachstum. Das hat es in unserer Geschichte bisher nur ein oder zweimal gegeben. Was wir derzeit erleben, ist praktisch ein zweites Wirtschaftswunder\u201c, so Professor Raffelh\u00fcschen weiter. Statistisch gesehen sei es sehr unwahrscheinlich, dass dies auch in den n\u00e4chsten f\u00fcnf bis zehn Jahren so weitergehe. \u201eDeshalb m\u00fcssen wir unsere sozialen Sicherungssysteme demographiefest machen.\u201c<\/p>\n<p>Nach seiner Analyse sei die derzeitige Rente durchaus gerecht, denn sie basiere auf dem Lebensleistungsprinzip und sei generationengerecht. Daf\u00fcr sorge der Nachhaltigkeitsfaktor. Jede Generation habe bislang rund ein F\u00fcnftel ihres Einkommens f\u00fcr die Alten aufgebracht. \u201eDie Reformen, die die gro\u00dfe Koalition jetzt auf den Weg bringen will, werden dieses System jedoch grundlegend ver\u00e4ndern und zu erheblichen Problemen f\u00fcr unsere Kinder f\u00fchren\u201c, ist Professor Raffelh\u00fcschen \u00fcberzeugt. Die Agenda 2010 der Regierung von Gerhard Schr\u00f6der sei richtig gewesen, auch wenn sie der SPD massiv geschadet habe. Im Vergleich dazu sei beispielsweise die Rente mit 63 von Andrea Nahles ein unn\u00f6tiges Geschenk gerade an diejenigen, die wir eigentlich dringend br\u00e4uchten, n\u00e4mlich die gutqualifizierten Fachkr\u00e4fte in unseren Unternehmen. \u201eSo etwas k\u00f6nnen wir uns aber nicht leisten.\u201c<\/p>\n<p>Auch das Thema Altersarmut sei v\u00f6llig \u00fcberzeichnet. Die Wahrscheinlichkeit, als Rentner im Alter unter die Armutsgrenze zu fallen, liege gerade einmal bei drei Prozent, in Ostdeutschland sogar nur bei 1,5 Prozent. \u201eAltersarmut bedroht uns also nicht wirklich. Allerdings m\u00fcssen wir uns darauf einstellen, in Zukunft l\u00e4nger zu arbeiten, m\u00f6glicherweise sogar bis 70. Wer l\u00e4nger lebt, sollte auch l\u00e4nger arbeiten. Das ist generationengerecht. Gleichzeitig m\u00fcssen wir neben der gesetzlichen Rente als Basisversorgung eine zus\u00e4tzliche finanzielle Absicherung aufbauen. Da werden wir nicht drum herum kommen.\u201c Die Faustformel daf\u00fcr habe schon sein Opa gekannt, so Professor Raffelh\u00fcschen. Sie laute ganz einfach: \u201eNicht alle Eier in einen Korb legen.\u201c F\u00fcnf bis sieben Prozent des pers\u00f6nlichen Einkommens seien notwendig, um sp\u00e4ter siebzig Prozent des Lebensstandards zu erreichen.<\/p>\n<p>Die rund 150 Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer honorierten die Ausf\u00fchrungen des Freiburger Wissenschaftlers mit anhaltendem Applaus. IHK-Pr\u00e4sident Felix G. Hensel bedankte sich im Namen der IHK Siegen und der Unternehmerschaft Siegen-Wittgenstein f\u00fcr den gelungenen Vortrag. J\u00f6rg Dienenthal, Vorsitzender der Unternehmerschaft Siegen-Wittgenstein, hatte zu Beginn der Veranstaltung die G\u00e4ste begr\u00fc\u00dft. Dabei unterstrich er das Engagement beider Institutionen f\u00fcr die Wirtschaft in Siegen-Wittgenstein. Demographie, Wirtschaft und Soziales seien auch zentrale Themen f\u00fcr die heimische Region. \u201eDer demographische Wandel, die \u00dcberalterung unserer Bev\u00f6lkerung und der zunehmende Mangel an qualifizierten Fachkr\u00e4ften sind f\u00fcr unsere Unternehmen gro\u00dfe Herausforderungen. Wir versuchen diese Ver\u00e4nderungen aktiv zu begleiten und mitzugestalten, im Sinne unserer Unternehmen, aber auch im Interesse der Besch\u00e4ftigten in unserer Region. Das gilt f\u00fcr die Unternehmerschaft auf dem Gebiet der Tarifpolitik ebenso wie f\u00fcr die Industrie- und Handelskammer Siegen, die als Selbstverwaltungseinrichtung aller Gewerbetreibenden der Region Siegen-Wittgenstein und Olpe die Interessen der Wirtschaft gegen\u00fcber der Politik und den Verwaltungen vertritt.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein komplexes Thema unterhaltsam, aber doch informativ und nachhaltig zu vermitteln, das ist eine Kunst, die Professor Dr. Bernd Raffelh\u00fcschen auf das Beste beherrscht. 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