{"id":11133,"date":"2018-10-11T12:31:35","date_gmt":"2018-10-11T10:31:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=11133"},"modified":"2018-10-11T12:31:35","modified_gmt":"2018-10-11T10:31:35","slug":"rauchentwoehnung-mit-virtual-reality","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/rauchentwoehnung-mit-virtual-reality\/","title":{"rendered":"Rauchentw\u00f6hnung mit Virtual Reality"},"content":{"rendered":"<p>Mehr als ein Viertel der Bev\u00f6lkerung in Deutschland raucht. Tabak ist bei uns beliebter und st\u00e4rker verbreitet, als jede andere Droge. Gleichzeitig z\u00e4hlt er zu den gef\u00e4hrlichsten Drogen in Deutschland: Sch\u00e4tzungen zufolge sterben jedes Jahr mehr als 5 Millionen Raucher an den Folgen ihrer Nikotinsucht. WissenschaftlerInnen des Forschungskollegs der Universit\u00e4t Siegen (FoKoS) gehen jetzt neue Wege, um Betroffenen dabei zu helfen, ihre Sucht zu \u00fcberwinden. Im Forschungsprojekt ANTARES entwickeln sie eine Virtual Reality-Anwendung, mit der RaucherInnen trainieren k\u00f6nnen, dem Drang zur Zigarette zu wiederstehen.<\/p>\n<p>Mithilfe einer Virtual Reality-Brille sollen die Teilnehmenden bei der Therapie in eine virtuelle, k\u00fcnstliche Welt eintauchen. Ihnen werden dort verschiedene Objekte vorgef\u00fchrt: solche, die mit dem Rauchen verbunden sind, wie etwa ein Feuerzeug, ein Aschenbecher oder auch eine Zigarette \u2013 und solche, die nichts mit dem Rauchen zu tun haben, beispielsweise eine Blume oder eine Zahnb\u00fcrste. Mit einem Joystick m\u00fcssen die RaucherInnen nun \u00e4hnlich wie bei einem Computerspiel die nikotinbezogenen Objekte von sich wegschieben und so optisch verkleinern, die \u00fcbrigen Objekte dagegen zu sich heranziehen und so vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n<p>\u201eAus fr\u00fcheren Studien wissen wir bereits, dass ein solches Training \u2013 auch bekannt als ,Approach-Avoidance-Training\u2018 \u2013 am Computer einen kleinen Effekt auf das Rauchen haben kann\u201c, erkl\u00e4rt Psychologie-Professor Dr. Tim Klucken aus dem Projektteam. Im Rahmen von ANTARES m\u00f6chten er und seine KollegInnen nun herausfinden, ob die Wirkung des Trainings durch die virtuelle Realit\u00e4t gesteigert werden kann. \u201eMan taucht mit Hilfe der Virtual Reality-Brille komplett in eine andere Welt ein. Die emotionale Ebene wird daher viel st\u00e4rker angesprochen, als wenn man vor dem klassischen Desktop-Computer sitzt. Viele Potenziale zur St\u00e4rkung von Therapieeffekten durch virtuelle Realit\u00e4t sind jedoch noch nicht ausreichend erforscht\u201c, sagt FoKoS-Direktor Prof. Dr. Dr. Bj\u00f6rn Niehaves, der mit seinem Forschungsteam ebenfalls an dem Projekt beteiligt ist.<\/p>\n<p>Anders als viele herk\u00f6mmliche Nikotintherapien zielt die neue Therapieform nicht nur auf das sogenannte reflexive System im Menschen ab, sondern auf das impulsive, emotionale System. Es geht also nicht allein darum, sich anhand rationaler Argumente bewusst zu machen, warum es besser w\u00e4re, mit dem Rauchen aufzuh\u00f6ren. Die Teilnehmenden sollen dar\u00fcber hinaus auch lernen, den Impuls, zu rauchen, besser zu kontrollieren. \u201eBei Sucht ist das impulsive System viel wichtiger, als das reflexive\u201c, erkl\u00e4rt Psycholgie-Professor Klucken. \u201eMenschen greifen pl\u00f6tzlich, ganz impulsiv zur Zigarette, zum Beispiel, weil sie Stress oder sich gestritten haben.\u201c<\/p>\n<p>Ideal w\u00e4re aus Sicht der Siegener WissenschaftlerInnen eine Kombination aus \u201eherk\u00f6mmlichen\u201c Therapieverfahren und der Virtual Reality-Therapie. \u201eUnsere Anwendung ist allein sicherlich keine Wunderwaffe. Aber in Kombination mit bekannten Raucherprogrammen k\u00f6nnte sie Raucherinnen und Rauchern besser helfen, ihre Sucht zu therapieren\u201c, hofft Klucken. Erg\u00e4nzend zu der Virtual Reality-Anwendung entwickeln er und seine KollegInnen auch eine Smartphone-App, die auf dem \u201eApproach-Avoidance-Training\u201c basiert. So k\u00f6nnen die NutzerInnen die Therapie bei Bedarf auch im Alltag und an verschiedenen Orten jederzeit anwenden.<\/p>\n<p>Aktuell sind die WissenschaftlerInnen dabei, verschiedene Varianten des Virtual Reality-Trainings zu programmieren. Diesen Part \u00fcbernimmt im Rahmen des Projektes der Lehrstuhl f\u00fcr Medizinische Informatik und Mikrosystementwurf unter Leitung von Prof. Dr. Rainer Br\u00fcck. Im n\u00e4chsten Schritt werden Prof. Niehaves und sein Team untersuchen, welche Version von den NutzerInnen am besten akzeptiert wird. Diese Version soll anschlie\u00dfend zum Einsatz kommen, um das Training mit Raucherinnen und Rauchern durchzuf\u00fchren und zu evaluieren. An dieser praktischen Testphase ist auch das Kreisklinikum Siegen beteiligt. Prof. Dr. Dr. h.c. Carl Friedrich Gethmann begleitet das Gesamtprojekt unter ethischen Gesichtspunkten.<\/p>\n<p><strong>Hintergrund:<\/strong><br \/>\nDas Projekt ANTARES (\u201eBreitenwirksame Substanzabh\u00e4ngigkeitstherapie in der digitalen Gesellschaft mittels Virtual Reality-basierten Systemen\u201c) ist ein interdisziplin\u00e4res Forschungsprojekt\u00a0 am Forschungskolleg (FoKoS) der Universit\u00e4t Siegen. Es l\u00e4uft noch bis Januar 2021 und wird vom Ministerium f\u00fcr Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein- Westfalen mit \u00fcber 400.000 Euro gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p><em>Aktuell werden noch Raucherinnen und Raucher gesucht, die am praktischen Teil der Studie (Virtual Reality-Training) teilnehmen m\u00f6chten. M\u00f6glich ist die Teilnahme f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren, die seit mindestens sechs Monaten rauchen und mindestens sechs Zigaretten pro Tag konsumieren. Sie k\u00f6nnen sich per E-Mail unter rauchfrei@uni-siegen.de melden, Ansprechpartnerin ist Dr. Alla Machulska von der Abteilung Klinische Psychologie der Universit\u00e4t Siegen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr als ein Viertel der Bev\u00f6lkerung in Deutschland raucht. Tabak ist bei uns beliebter und st\u00e4rker verbreitet, als jede andere Droge. 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