{"id":10757,"date":"2018-09-11T10:55:51","date_gmt":"2018-09-11T08:55:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=10757"},"modified":"2018-09-11T10:55:51","modified_gmt":"2018-09-11T08:55:51","slug":"rohre-biegen-mit-cyberbrille","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/rohre-biegen-mit-cyberbrille\/","title":{"rendered":"Rohre biegen mit Cyberbrille"},"content":{"rendered":"<p>Man stelle sich einmal vor, beim Aufbau eines M\u00f6belst\u00fccks w\u00fcrde einem eine intelligente Brille mit einer Art Hologramm Schritt f\u00fcr Schritt zeigen, was zu tun ist. Von der Wahl des Werkzeugs bis zum richtigen Einsatz. Unverst\u00e4ndliche Bedienungsanleitungen geh\u00f6rten der Vergangenheit an und selbst handwerklich unbegabte Menschen d\u00fcrften einsturzsichere Regale aufbauen k\u00f6nnen. Die Ergebnisse eines Forschungsprojekts der Universit\u00e4t Siegen k\u00f6nnten \u00e4hnliches in Zukunft erm\u00f6glichen \u2013 nur stehen nicht Hobby-Heimwerker im Mittelpunkt, sondern Maschinenbediener in Unternehmen.<\/p>\n<p>Was passiert mit dem Wissen von erfahrenen Fachkr\u00e4ften, wenn diese aus dem Berufsleben ausscheiden? Diese Frage war der Ausgangspunkt, als Projektleiter Dr.-Ing. Christopher Kuhnhen und sein Team des Forschungsverbunds im April 2016 die Arbeit aufgenommen haben. Die Wissenschaftler wollten Wege finden, wie die Expertise nahtlos an j\u00fcngere Kollegen weitergegeben werden kann und wie dies mit Methoden der oftmals noch abstrakten Industrie 4.0 realisierbar ist. \u201eWir k\u00f6nnen jetzt etwas vorzeigen, das auch f\u00fcr mittelst\u00e4ndische Unternehmen konkret nutzbar sein und die Arbeit erleichtern wird\u201c, freut sich Prof. Dr.-Ing. Bernd Engel, Inhaber des Lehrstuhls f\u00fcr Umformtechnik.<\/p>\n<div id=\"attachment_10760\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Cyberr\u00fcsten2_WEB.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10760\" class=\"size-medium wp-image-10760\" src=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Cyberr\u00fcsten2_WEB-300x196.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"196\" srcset=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Cyberr\u00fcsten2_WEB-300x196.jpg 300w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Cyberr\u00fcsten2_WEB-768x502.jpg 768w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Cyberr\u00fcsten2_WEB.jpg 777w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10760\" class=\"wp-caption-text\">Die Beteiligten des Projektes \u201eCyberr\u00fcsten 4.0\u201c (v.l.): Linda Borchmann, Prof. Dr.-Ing. Bernd Engel (beide Lehrstuhl f\u00fcr Umformtechnik), Sven Hoffmann (Lehrstuhl f\u00fcr Wirtschaftsinformatik und Neue Medien), Projektleiter Dr.-Ing. Christopher Kuhnhen mit HoloLens, Bedrettin Aslan (Firma Lachmann &amp; Rink, Freudenberg), Nils Darwin Abele (Siegener Mittelstandsinstitut SMI) und Dr. Oliver Selter (Bereichsleiter F&amp;E Westfalia Metallschlauchtechnik, Hilchenbach).<\/p><\/div>\n<p>In Kooperation mit dem Lehrstuhl f\u00fcr Wirtschaftsinformatik und Neue Medien um Leiter Prof. Dr. Volker Wulf, dem Siegener Mittelstandsinstitut (SMI) und Betrieben aus der Region ist ein System entstanden, das Maschinenbediener mit Hilfe einer Cyberbrille bei ihrer t\u00e4glichen Arbeit unterst\u00fctzen und Arbeitsabl\u00e4ufe deutlich verk\u00fcrzen soll. Im mit EU-Mitteln gef\u00f6rderten Projekt stand ein Biegeprozess im Mittelpunkt, das System l\u00e4sst sich aber auch auf andere Branchen wie zum Beispiel Kunststoff oder Zerspanung \u00fcbertragen. So wurden die Entwicklungen bereits diversen Unternehmen aus der Region vorgestellt. Die Reaktionen seien \u00fcberragend gewesen, berichtet Kuhnhen.<\/p>\n<p>Der eigentliche Arbeitsvorgang gliedert sich in zwei Prozesse: einen statischen und einen dynamischen. Bevor die Maschine das Rohr den W\u00fcnschen des Bedieners entsprechend biegen kann, muss sie ger\u00fcstet, also mit Werkzeugen best\u00fcckt werden. Der Maschinenbediener setzt sich die HoloLens, eine sogenannte Mixed-Reality-Brille auf. Blickt der Anwender auf die reale Maschine, erscheint dort eine virtuelle Nachbildung. \u00dcber die Brille wird nun jeder Arbeitsschritt nach und nach eingeblendet. Zudem k\u00f6nnen per Fingerzeig Videos abgespielt werden, die den Vorgang erl\u00e4utern. Durch diese Anweisungen k\u00f6nnten zum Beispiel auch unerfahrenere Mitarbeiter problemlos Maschinen r\u00fcsten. \u201eEs ist eine Art Navigationsger\u00e4t f\u00fcr Maschinenbediener\u201c, so Kuhnhen. Wichtiger Faktor: Die Dauer des R\u00fcstprozesses werde so um bis zu 50 Prozent verk\u00fcrzt.<\/p>\n<p>Im zweiten Schritt geht es um die Feinjustierung. Beim von den Forschern angewendeten \u201eRotationszugbiegen\u201c m\u00fcssen sieben verschiedene Achsen eingestellt werden. Um ein perfektes Ergebnis zu bekommen ist entweder viel Erfahrung erforderlich \u2013 oder ein langes T\u00fcfteln an den Einstellungen. Das von der Forschungsgruppe entwickelte und vom Hard- und Softwarespezialisten \u201eLachmann und Rink\u201c aus Freudenberg umgesetzte Programm schl\u00e4gt dem Maschinenbediener die bestm\u00f6glichen Parameter vor. Damit das funktioniert, haben die Wissenschaftler erfahrenen Mitarbeitern des Hilchenbacher Unternehmens \u201eWestfalia Metallschlauchtechnik\u201c mehrere Wochen lang auf die Finger geschaut und Interviews mit ihnen gef\u00fchrt. Ihr Wissen flie\u00dft somit direkt in das Programm ein und wird weitergegeben. Zudem ist das Programm lernf\u00e4hig: Produziert der Maschinenbediener ein Rohr mit Falten, erh\u00e4lt er aufgrund der Erfahrungen bei \u00e4hnlichen Problemen Vorschl\u00e4ge, die die Fehler beheben k\u00f6nnten. Es wird \u00fcberpr\u00fcft, welche Einstellungen bei welchen Problemen zum Erfolg gef\u00fchrt haben. Letztendlich soll ein enormer Zeitgewinn bei gleichzeitig hoher Qualit\u00e4t des Produktes stehen.<\/p>\n<p>Prof. Engel hofft, dass den Unternehmen mit dieser Entwicklung auch ein wenig die Angst vor dem Begriff Industrie 4.0 genommen werden kann. \u201eWir wollen nicht den Menschen durch Maschinen ersetzen, sondern Prozesse mit den Menschen weiterentwickeln.\u201c<\/p>\n<p><strong>Hintergrund\u00a0 \u00a0 \u00a0<\/strong><br \/>\nDas Projekt mit dem Titel \u201eCyberr\u00fcsten 4.0\u201c hat einen Gesamtumfang von 2,6 Millionen Euro. Auf die Universit\u00e4t Siegen entfallen fast 1,5 Millionen Euro, wovon 90 Prozent vom F\u00f6rdermittelgeber EFRE (Europ\u00e4ischer Fonds f\u00fcr regionale Entwicklung) getragen werden. Beteiligt waren mehrere Partner: Lehrstuhl f\u00fcr Umformtechnik (Univ.-Prof. Dr.-Ing. Bernd Engel, Dr.-Ing. Christopher Kuhnhen (Projektleiter\/Verbundkoordinator), M. Eng. Linda Borchmann); Lehrstuhl f\u00fcr Wirtschaftsinformatik und Neue Medien (Univ.-Prof. Dr. Volker Wulf, M. Sc. Sven Hoffmann, Dr. Fabiano Pinatti de Carvalho); Siegener Mittelstandsinstitut SMI (Prof. Dr. Marcus Schweitzer, M. Sc. Nils Darwin Abele); Lachmann &amp; Rink GmbH, Freudenberg (Dipl.-Ing. Stefan Thilo, Dr. Matthias Hebbel, Eric Behme, B. Sc. Bedrettin Aslan); Westfalia Metallschlauchtechnik GmbH &amp; Co. KG, Hilchenbach (Dr. Oliver Selter, Sascha Sckudlarek, Marcus Hupertz).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man stelle sich einmal vor, beim Aufbau eines M\u00f6belst\u00fccks w\u00fcrde einem eine intelligente Brille mit einer Art Hologramm Schritt f\u00fcr Schritt zeigen, was zu tun&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":10759,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1,30],"tags":[],"class_list":["post-10757","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuell","category-vermischtes"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Cyberr\u00fcsten1_WEB.jpg","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10757","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10757"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10757\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10761,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10757\/revisions\/10761"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10759"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10757"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10757"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10757"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}