{"id":10569,"date":"2018-08-31T10:00:54","date_gmt":"2018-08-31T08:00:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=10569"},"modified":"2018-08-31T07:57:09","modified_gmt":"2018-08-31T05:57:09","slug":"logistikbranche-droht-flaschenhals-fuer-die-wirtschaft-zu-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/logistikbranche-droht-flaschenhals-fuer-die-wirtschaft-zu-werden\/","title":{"rendered":"Logistikbranche droht Flaschenhals f\u00fcr die Wirtschaft zu werden"},"content":{"rendered":"<p>\u201eUnser industriestarker Wirtschaftsraum ist auf ein leistungsf\u00e4higes Transportgewerbe und auf funktionst\u00fcchtige Verkehrswege besonders angewiesen. Die G\u00fcter, die hier gefertigt werden, m\u00fcssen \u00fcber die Stra\u00dfe oder die Schiene bewegt werden. Anders geht es nicht!\u201c, betont Klaus Gr\u00e4bener. Der IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer macht mit Nachdruck auf die immensen Schwierigkeiten aufmerksam, denen sich Logistikunternehmen zunehmend ausgesetzt sehen: \u201eObwohl wachstumsstark, ist die Branche derzeit besonders unter Druck: Vor allem Fachkr\u00e4fte fehlen. B\u00fcrokratische Vorgaben erschweren die Abl\u00e4ufe zus\u00e4tzlich. \u00c4ndert sich hier nichts, wird die Logistikbranche zur Wachstumsbremse und damit zum Flaschenhals f\u00fcr die gesamte Wirtschaft!\u201c<\/p>\n<p>Alleine 30.000 Berufskraftfahrer gehen nach Angaben des Verbandes Verkehrswirtschaft und Logistik Nordrhein-Westfalen (VVWL) e.V. j\u00e4hrlich in Rente. Mehr als ein Viertel der derzeit eingesetzten Fahrer sind \u00e4lter als 55 Jahre. Es stehen bei weitem nicht gen\u00fcgend Fachkr\u00e4fte zur Verf\u00fcgung, um diese Verluste auszugleichen: Es fehlen ca. 10.000 Kraftfahrer im Jahr.<\/p>\n<p>Die aktuelle Ausbildungserhebung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zeigt: W\u00e4hrend durchschnittlich 34 % der befragten Betriebe nicht alle Lehrstellen besetzen konnten, waren es in der Transport- und Logistikbranche 40 %. Dies zeigt sich auch in der heimischen Region: In der Gruppe der Berufskraftfahrer stagniert in der Region die Zahl der Auszubildenden in den vergangenen drei Jahren bei rund 80 Nachwuchskr\u00e4ften, trotz intensiver Suche und steigender Bedarfe bei den Logistikunternehmen. Beim Beruf \u201eKauffrau\/Kaufmann f\u00fcr Spedition und Logistikdienstleistungen\u201c gehen die regionalen Ausbildungszahlen trotz des Engagements der Firmen gar von 96 auf 83 zur\u00fcck.<\/p>\n<p>\u201eWir haben aktuell zwei Auszubildende als Berufskraftfahrer gefunden, aber die Bewerberlage wird Jahr f\u00fcr Jahr d\u00fcnner\u201c, erkl\u00e4rt Eckhard Siebel, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der <a href=\"http:\/\/siebel-spedition.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Spedition Siebel GmbH <\/a>. \u201eDazu kommen fehlende Grundqualifikationen, wobei der sichere Umgang mit der deutschen Sprache h\u00e4ufig nicht mehr vorausgesetzt werden kann. Bislang hat es sich ausgezahlt, dass wir mit einigen Schulen im Umfeld sehr gut vernetzt sind\u201c, so Siebel weiter.<\/p>\n<p>Auch viele andere Speditionsbetriebe setzen weiter stark auf die Ausbildung: \u201eWir versuchen, dem Fachkr\u00e4ftemangel \u00fcber unser verst\u00e4rktes Engagement f\u00fcr die Ausbildung zu begegnen\u201c, bekr\u00e4ftigt Ferdinand Menn, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der <a href=\"https:\/\/www.spedition-menn.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Spedition Menn GmbH<\/a> aus Kreuztal. \u201eF\u00fcr viele Leute ist die Logistikt\u00e4tigkeit auch der ideale Beruf, bei dem sie gut verdienen und Spa\u00df haben k\u00f6nnen. Bei uns bekommt der Nachwuchs nach der Ausbildung auch oft einen Lkw fest zugeteilt, was die Motivation steigert\u201c, erg\u00e4nzt Ferdinand Menn.<\/p>\n<p>Die betroffenen Unternehmen wissen, dass sie angesichts des zunehmenden Fachkr\u00e4ftemangels selbst gefordert sind, und lassen sich bereits einiges einfallen, um aktiv Bewerber zu finden und zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>\u201eWichtigster Anreiz, um als Arbeitgeber attraktiv zu sein, sind nach unserer Erfahrung attraktive Arbeitszeiten. Unsere Fahrer fahren m\u00f6glichst nicht am Wochenende. Sie steuern \u00fcberwiegend bewachte Parkpl\u00e4tze an, bei denen wir die Kosten \u00fcbernehmen, und ganz wichtig: Sie suchen sich ihr Fahrzeug selbst aus. Das st\u00e4rkt das ,Ich-Verh\u00e4ltnis\u2018 zum Fahrzeug und schafft eine ungeheure Identifizierung mit dem Betrieb\u201c, betont Klaus Brinkmann, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Klaus Brinkmann Transporte in Erndtebr\u00fcck.<\/p>\n<p>\u201eWir dehnen unsere Suche nach guten Mitarbeitern immer weiter \u00fcberregional aus. Zudem versuchen wir, den Fahrern durch die modernsten Lkw den bestm\u00f6glichsten Arbeitsplatz zu bieten. Nat\u00fcrlich sind wir bestrebt, gute L\u00f6hne und Spesen zu zahlen\u201c, unterstreicht Rita Arens, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der <a href=\"http:\/\/www.arens-transport.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Arens Transport GmbH<\/a> aus Attendorn.<\/p>\n<p>Aber auch die Politik ist gefordert. Insbesondere die politisch gezielt bef\u00f6rderte Akademisierung der Gesellschaft st\u00f6\u00dft auf Kritik: \u201eWir brauchen dringend einen bildungspolitischen Kurswechsel: Die Vorz\u00fcge der dualen Ausbildung m\u00fcssen in den Schulen, auch den Gymnasien, besser vermittelt und in der Berufsorientierung st\u00e4rker ber\u00fccksichtigt werden!\u201c, stellt IHK-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Hans-Peter Langer fest.<\/p>\n<p>Ebenso macht die B\u00fcrokratie den Betrieben in der Branche besonders zu schaffen und erschwert beispielsweise einen flexiblen Personaleinsatz. \u201eDie Vorgaben zum Datenschutz, zur Ladungssicherung und zu den Dokumentationspflichten k\u00f6nnten deutlich praxisn\u00e4her sein\u201c, ist sich Klaus Brinkmann sicher. \u201eEs gibt hohe Anforderungen vom Gesetzgeber an Fahrer und Unternehmen zu den Lenk- und Ruhezeiten bzw. Fahr- und Schichtzeiten. Diese werden aufgrund der faktischen Gegebenheiten, vor allem durch einen Mangel an geeigneten Parkpl\u00e4tzen, immer mehr zu einer Herausforderung\u201c, kritisiert Ferdinand Menn.<\/p>\n<p>Was alle befragten Logistikunternehmen vereint, ist die klare Erwartung, dass mehr in die Infrastruktur der Region und bundesweit investiert wird. Die Betriebe m\u00fcssten immer mehr Maut an den Staat zahlen, gleichzeitig n\u00e4hmen die Probleme auf den Stra\u00dfen immer weiter zu: zu viele Staus, zu wenige intakte Fernstra\u00dfen und Br\u00fccken, zu wenige LKW-Parkpl\u00e4tze sowie zu lange und schlecht koordinierte Baustellen, \u00fcber die im Vorfeld nur unzureichend informiert werde.<\/p>\n<p>Die au\u00dfenwirtschaftlichen Entwicklungen sorgen schlie\u00dflich vielerorts f\u00fcr Unsicherheit und tr\u00fcben das Konjunkturklima. Klaus Gr\u00e4bener: \u201eGerade jetzt kommt es darauf an, den sich abzeichnenden Konjunkturr\u00fcckgang abzufangen, indem z\u00fcgig Wachstumsbremsen beseitigt werden. Jetzt hei\u00dft es vor allem Verkehrswege instand setzen, Fachkr\u00e4fteversorgung durch richtige Weichenstellungen sichern und B\u00fcrokratie nicht nur auf dem Papier abbauen, sondern auch in der Praxis.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eUnser industriestarker Wirtschaftsraum ist auf ein leistungsf\u00e4higes Transportgewerbe und auf funktionst\u00fcchtige Verkehrswege besonders angewiesen. 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