{"id":10238,"date":"2018-08-16T09:04:23","date_gmt":"2018-08-16T07:04:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=10238"},"modified":"2018-08-16T15:56:54","modified_gmt":"2018-08-16T13:56:54","slug":"eine-reform-die-ihr-ziel-verfehlt-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/eine-reform-die-ihr-ziel-verfehlt-hat\/","title":{"rendered":"Rente mit 63: Eine Reform, die ihr Ziel verfehlt hat"},"content":{"rendered":"<p>Die Rente mit 63 ist ein Erfolgsmodell \u2013 zumindest f\u00fcr diejenigen, die vorzeitig und abschlagsfrei aus dem Erwerbsleben ausscheiden k\u00f6nnen. Einzige Voraussetzung: mindestens 45 Beitragsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung. F\u00fcr die Unternehmen ist die Situation eine ganz andere. Sie verlieren dadurch vorzeitig qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, und das bei einem ohnehin schon ausgepr\u00e4gten Fachkr\u00e4ftemangel.<\/p>\n<p>Eine Studie der Rentenversicherung belegt jetzt, dass die urspr\u00fcngliche Idee der Rente mit 63, n\u00e4mlich eine M\u00f6glichkeit zu schaffen, damit Arbeitnehmer, die mindestens 45 Jahre gearbeitet haben und aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden nicht mehr bis zum regul\u00e4ren Renteneintritt weitermachen k\u00f6nnen, vorzeitig aufs Altenteil gehen k\u00f6nnen, so nicht funktioniert hat. 2016 gingen insgesamt 81 Prozent der vorzeitigen Rentner aus einer sozialversicherungspflichtigen Besch\u00e4ftigung in die abschlagsfreie Fr\u00fchrente. Dabei handelte es sich \u201evor allem um am Arbeitsmarkt langfristig und gut integrierte Personen\u201c, so die Rentenversicherung. Die meisten von ihnen waren arbeitsf\u00e4hig und in einem festen Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnis. Gleichzeitig habe die Reform auch zu einer deutlichen Erh\u00f6hung der Zahl der Anspruchsberechtigten gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>In Siegen-Wittgenstein haben ebenfalls viele Arbeitnehmer von der M\u00f6glichkeit der Rente mit 63 Gebrauch gemacht. Das ergab jetzt eine Umfrage der Arbeitgeberverb\u00e4nde Siegen-Wittgenstein. In rund 80 Prozent der Mitgliedsunternehmen, die sich an der Umfrage beteiligt haben, sind ein oder mehrere voll im Erwerbsleben stehende Arbeitnehmer mit 63 Jahren vorzeitig aus dem Berufsleben ausgeschieden. F\u00fcr die Betriebe bedeutet das nicht nur einen schmerzlichen Verlust an qualifizierten Fachkr\u00e4ften, auch \u00fcber Jahrzehnte erworbene berufliche Kompetenz und Erfahrung geht damit verloren. Zwar haben viele Unternehmen mit der Aufstockung ihrer Ausbildungskapazit\u00e4ten auf den stetig steigenden Fachkr\u00e4ftemangel reagiert. Dennoch wiegt der zus\u00e4tzliche Personalverlust schwer.<\/p>\n<p>Insgesamt also eine Reform, die ihr eigentliches Ziel deutlich verfehlt hat, auch wenn es ohne Zweifel Personen gibt, die aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden froh dar\u00fcber waren, vorzeitig in den Ruhestand wechseln zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zudem verursacht die Rente mit 63 erhebliche Zusatzkosten f\u00fcr die Wirtschaft. Die Beitragszahler, dazu geh\u00f6ren Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleicherma\u00dfen sowie viele Selbst\u00e4ndige und freiwillig Versicherte, m\u00fcssen h\u00f6here Lasten schultern, weil die Rentenversicherung auf Abschl\u00e4ge verzichtet, die die vorzeitigen Berufsaussteiger eigentlich h\u00e4tten zahlen m\u00fcssen: Allein im Jahr 2017 entgingen der Rentenversicherung so knapp 1,2 Milliarden Euro. Diese Summe wird \u00fcber die Jahre weiter ansteigen, da immer neue \u201eFr\u00fchrentner\u201c hinzukommen, denen keine Abschl\u00e4ge in Rechnung gestellt werden. 2015 waren bereits 274.000 Rentner Nutznie\u00dfer des vorzeitigen Renteneintritts.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Rente mit 63 ist ein Erfolgsmodell \u2013 zumindest f\u00fcr diejenigen, die vorzeitig und abschlagsfrei aus dem Erwerbsleben ausscheiden k\u00f6nnen. 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