Konjunkturumfrage: Schlechte Lage schlägt sich auf Beschäftigung nieder

Stellten die Konjunkturumfrage vor (v.l.): Andreas Dango, Volker Schmidt, Jörg Dienenthal, Dr. Thorsten Doublet und Christian F. Kocherscheidt.

Die Lage der heimischen Industrie ist und bleibt besorgniserregend. Im Rahmen der NRW-weiten Konjunkturumfrage beteiligten sich auch wieder zahlreiche Unternehmen der Metall- und Elektrobranche und zeichneten ein insgesamt düsteres Bild. Im Vorjahreszeitraum hatten bereits fast die Hälfte der befragten Unternehmen konstatiert, dass die aktuelle Geschäftslage schlecht sei (47 Prozent), nun sagen dies sogar 59 Prozent. „57 Prozent der Unternehmen haben zudem für die kommenden sechs Monate gleichbleibende – also vornehmlich schlechte –Geschäftserwartungen“, zeigt sich Dr. Thorsten Doublet besorgt. Der Geschäftsführer des Verbandes der Siegerländer Metallindustriellen nimmt auch abseits der Konjunkturumfrage eine schlechte Stimmung in der Mitgliedschaft wahr: „Das Empfinden aus dem täglichen Austausch mit Personalleitungen und Geschäftsführungen spiegelt sich nun auch in den Einschätzungen bezüglich der Beschäftigung wider.“

Entlassungen teilweise unumgänglich
Das beschäftigungssichernde Instrument der Kurzarbeit steht bei den Personalverantwortlichen noch höher im Kurs als schon vor Jahresfrist. 43 Prozent der Umfrageteilnehmer gab an, in den vergangenen sechs Monaten auf Kurzarbeit gesetzt zu haben, in den nächsten sechs Monaten beabsichtigen das 61 Prozent. Auch die Zahl der geplanten Entlassungen gibt Anlass zur Sorge. Nahmen vor einem Jahr noch 33 Prozent der Befragten einen Stellenabbau für die bevorstehenden sechs Monate ins Visier, ist dieser Wert aktuell auf 42 Prozent gestiegen. „Die Industrie in Siegen-Wittgenstein ist familiär geprägt. Wir Unternehmer stehen traditionell zu unserer sozialen Verantwortung“, bekräftigt Christian F. Kocherscheidt, VdSM-Vorsitzender und geschäftsführender Direktor in der Holdinggesellschaft der EJOT-Gruppe. Die hohe Bereitschaft, kurzfristig auch Entlassungen anzustreben zeige aber, wie schlimm die wirtschaftliche Lage wirklich sei – insbesondere auch mit Blick auf den Fachkräftemangel. Denn wer jetzt entlasse, habe es beim nächsten Aufschwung umso schwerer, gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden. Und so wollen immerhin 56 Prozent der Befragten die Belegschaft in den kommenden sechs Monaten in der selben Größe belassen, obwohl die wirtschaftliche Lage schwierig ist. Weiterer Indikator für das zuvor skizzierte Bild: Die Ausbildungsbereitschaft ist in der Tendenz bei 68 Prozent der Umfrageteilnehmer unverändert, dennoch ist sie leicht gesunken (2024: 74 Prozent).

Weiteres Alarmsignal: auch der klassische Siegen-Wittgensteiner Motor ist ins Stocken geraten: „Besonders im Maschinenbau hat es in den vergangenen zwei Jahren noch hervorhebenswerte Ausnahmen gegeben, was die wirtschaftliche Lage angeht. Die Region hat davon profitiert, dass die Unternehmen wenig im Automotive-Sektor unterwegs sind.“ Jetzt komme die schlechte konjunkturelle Lage aber auch dort mehr und mehr zum Tragen.

Mangelnde Investitionsbereitschaft ist ein Warnsignal
Die versprochenen Reformen in der Wirtschafts- und Sozialpolitik zeigten noch nicht ihre Wirkung bzw. seien größtenteils noch nicht umgesetzt worden. Die Folge: Die Investitionsneigung der Industrie geht im Inland noch weiter zurück. Hatten zum Jahreswechsel 2024/25 schon 52 Prozent der befragten Unternehmen eine sinkende Investitionsbereitschaft konstatiert, ist dieser Wert jetzt noch einmal auf 59 Prozent gestiegen. Bemerkbar macht sich indes auch die unsichere weltpolitische Lage. Denn mit Blick auf das Ausland sagen aktuell nur noch 68 Prozent der Befragten, dass sie im Ausland mehr oder gleichbleibend investieren wollen. Im Vorjahreszeitraum waren das noch 82 Prozent.

Einzig die Tendenz bei der Ertragslage sticht in der aktuellen Konjunkturumfrage positiv heraus. Denn während 2024/25 diese noch 61 Prozent als schlecht bewerteten, sind dies jetzt „nur“ noch 49 Prozent.

„Wir hoffen nach wie vor auf eine wirtschaftsfreundlichere Politik der aktuellen Regierung, wohlwissend, dass die internationalen Rahmenbedingungen gerade alles andere als einfach sind“, so Christian F. Kocherscheidt: „Gebetsmühlenartig predigen wir das hohe Lied auf niedrigere Lohnnebenkosten, nur erhört worden sind wir bislang an dieser Stelle nicht.“ Ähnliches gelte für den Industriestrompreis, dessen Regelungen nun schon wieder viel zu kompliziert ausgestaltet werden sollten und neue bürokratische Hürden mit sich brächten.

Text/Foto: Jan Krumnow

Kommentar hinterlassen zu "Konjunkturumfrage: Schlechte Lage schlägt sich auf Beschäftigung nieder"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.