Austausch, Vorträge, und ein „Markt der Möglichkeiten“ in der IHK: Gesundheitstag mit wertvollen Tipps für Betriebe und Mitarbeiter

Im Saal der Industrie- und Handelskammer Siegen kamen rund 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen, um sich über vielfältige Ansätze des Betrieblichen Gesundheitsmanagements zu informieren – von Prävention über mentale Gesundheit bis hin zu konkreten Unterstützungsangeboten für Mitarbeitende. Der Gesundheitstag zeigte: Eine aktive Förderung der Gesundheit stärkt nachhaltig Unternehmen und Belegschaft.

Gesundheit im Betrieb hat viele Facetten – von körperlicher Fitness über psychisches Wohlbefinden bis hin zu Inklusion und der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. Welche Bedeutung dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) zukommt, zeigte der Gesundheitstag in der IHK Siegen. Rund 90 Teilnehmer folgten der Einladung des Arbeitskreises Demografie und informierten sich über aktuelle Entwicklungen sowie praxisnahe Ansätze.

„Die Generation der Babyboomer scheidet zunehmend aus dem Erwerbsleben aus. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist es für Unternehmen wichtig, die Gesundheit der Belegschaft aktiv zu fördern und die Mitarbeiter zu unterstützen – nicht zuletzt, weil jeder Krankheitstag auch einen wirtschaftlichen Verlust bedeutet“, betonte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Thilo Pahl in seiner Begrüßung. „Maßnahmen der Gesundheitsförderung steigern nicht nur Motivation und Leistungsfähigkeit, sondern stärken auch die Mitarbeiterbindung und wirken sich positiv auf die Gewinnung von Fachkräften aus.“

In einer Expertenrunde mit Moderator Patrick Kohlberger (IHK Siegen) stellten drei Unternehmensvertreter und Unternehmensvertreterinnen Erfahrungsberichte aus der Praxis vor. Dabei wurde deutlich, dass wirksames BGM keineswegs nur großen Firmen vorbehalten ist. Sandra Heisig von der Ergotherapie Joswiak, die 25 Mitarbeiter beschäftigt, berichtete beispielsweise über den erfolgreichen Einsatz einer Gesundheits-App. Diese unterstützt die Beschäftigten unter anderem durch Fitnessübungen, Ernährungsberatung und mentale Impulse. Sie fasste zusammen, dass auch kleine Betriebe mit begrenztem Budget im BGM viel erreichen können, Mitarbeiterbefragungen wertvolle Hinweise geben und es vor allem darauf ankomme, zuzuhören und einfach loszulegen.

Das Softwareentwicklungsunternehmen ifm solution GmbH mit 450 Beschäftigten am Standort Siegen setzt gezielt auf Prävention. Dina Zwiorek, dort unter anderem für innerbetriebliche Gesundheit verantwortlich, erläuterte, dass Unterstützung bei vielen Unternehmen erst dann einsetzt, wenn bereits Erkrankungen vorliegen. Der Softwareentwickler hingegen möchte präventiv handeln.

Neben kleineren Aktionen wie Bewegungsimpulsen für die Beschäftigten gehören auch umfangreichere Maßnahmen wie Hautscreenings zum Angebot.
Marc Langel, Corporate Health Expert bei Viega, gab Einblicke in die BGM-Strukturen eines großen Unternehmens mit allein mehr als 2.200 Mitarbeitern in Südwestfalen. Neben Sensibilisierungsangeboten, etwa für ältere Beschäftigte oder Auszubildende, sowie unterstützenden Maßnahmen im Arbeitsalltag und bestmögliche Prävention liegt hier ein besonderer Fokus auf der Unterstützung von Mitarbeitern mit Krebserkrankungen. Viega ist Teil der Initiative „Working with Cancer“ und garantiert im Krankheitsfall eine Entgeltfortzahlung für die Dauer eines Jahres. Zusätzlich bietet das Unternehmen finanzielle Unterstützung durch die Übernahme des Eigenanteils bei Medikamenten- und die von den Krankenkassen nicht abgedeckten Reisekosten. Das Ziel dabei: Eine offene Unternehmenskultur zu schaffen, in der über alle Erkrankungen gesprochen werden kann. Dies soll es den Mitarbeitern erleichtern auch bei anderen gesundheitlichen Belastungen offen zu sein.

Kleinmesse „Markt der Möglichkeiten“ und praxisnahe Vorträge
Zudem nutzten die Teilnehmer den „Markt der Möglichkeiten“, um sich auf der parallellaufenden Kleinmesse zu informieren. Acht Aussteller präsentierten Angebote zur Gesundheitsförderung im Betrieb. So konnten Besucher bei „Fast Coaches“ ihre Fitness testen und einen persönlichen Mobilitätstest machen. Die Universität Siegen stellte ein Exoskelett vor, das körperliche Belastungen im Arbeitsalltag reduziert. Weitere Einblicke boten unter anderem das Unternehmen Besser Sehen Krumm mit Augenanalysen, die iGuS – Gesund im Beruf GmbH mit Informationen zu ihrer Gesundheits- und Sozialhotline sowie die reselve gGmbH, das Arbeitsmedizinische Zentrum Siegerland, die AOK NordWest und Anna Simon mit verschiedenen Angeboten zur Förderung der mentalen und körperlichen Gesundheit.

In ihrem anschließenden Vortrag widmete sich Anna Simon dem Thema „Techno-Stress“. In einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt entstehen psychische Belastungen häufig durch permanente Erreichbarkeit, Bildschirmarbeit oder Multitasking. Zur Prävention empfahl sie unter anderem Maßnahmen wie digitale Hygiene – etwa das bewusste Abschalten von Benachrichtigungen –, digitales Monotasking mit klarem Fokus auf einzelne Aufgaben sowie verbindliche Kommunikations- und Erreichbarkeitsregeln im Unternehmen. Auch eine bewusste Unternehmenskultur, in der Pausen und Erholungszeiten eingehalten werden, sei von zentraler Bedeutung.

Anja Feldmann, Psychologin beim Arbeitsmedizinischen Zentrum Siegerland sensibilisierte für das Erkennen und den Umgang mit psychischen Erkrankungen wie Burnout, Depressionen, Angststörungen und Traumata. Anhand praxisnaher Beispiele erläuterte sie typische Verhaltensweisen Betroffener und gab Hinweise für einen angemessenen Umgang im betrieblichen Umfeld.

Mitorganisator Adrian Schöps von der IHK Siegen zeigte sich sehr zufrieden mit der Resonanz des Gesundheitstags: „Die durchweg positiven Rückmeldungen und die hohe Teilnehmerzahl zeigen die Bedeutung. Im nächsten Jahr wollen wir dieses Format mit vielfältigen Themen weiterführen.“ Auch Melanie Schreier von der Regionalagentur Siegen-Wittgenstein/Olpe betonte das große Interesse: „Wir freuen uns schon auf viele weitere Themen in der Workshop-Reihe der Gesundheitsscouts, die in Kürze wieder startet.“

Zum Hintergrund
Der „Arbeitskreis Demografie“ setzt sich aus der federführenden Regionalagentur der Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe, der IHK Siegen, dem Arbeitsmedizinischen Zentrum Siegerland e.V., der AOK Nordwest Regionaldirektion Siegen, dem Deutschen Gewerkschaftsbund Region Südwestfalen, der IG Metall Siegen, den Arbeitgeberverbänden Siegen-Wittgenstein und Olpe, der Universität Siegen sowie dem Kreis Siegen-Wittgenstein zusammen. Ziel der regionalen Kooperation ist ein gemeinsames Service- und Informationsangebot zum Thema Gesundheitsmanagement, insbesondere für die betriebliche Praxis.

Text:/Foto: IHK Siegen

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