Arbeitgeberverbände Siegen-Wittgenstein

Leistung, Kompetenz, Vielfalt - Netzwerker für den Mittelstand

Das Bundesverfassungsgericht hat in seiner gestrigen Entscheidung das Tarifeinheitsgesetz als verfassungskonform bestätigt. Die Arbeitgeberverbände Siegen-Wittgenstein begrüßen diese Entscheidung. „Damit hat das Gericht die Tarifeinheit als Grundlage des Erfolgsmodells Sozialpartnerschaft in unserer Wirtschaft gestärkt“, so Dr. Thorsten Doublet, Geschäftsführer der Arbeitgeberverbände Siegen-Wittgenstein. Das Prinzip „ein Betrieb – ein Tarifvertrag“ habe sich über Jahrzehnte bewährt. Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts von 2010 waren aber auf einmal verschiedene Abschlüsse nebeneinander möglich.

 Das Tarifeinheitsgesetz sieht vor, dass bei konkurrierenden Tarifverträgen in einem Betrieb nur der Abschluss mit der mitgliederstärksten Gewerkschaft gilt. „In seiner jetzigen Entscheidung hat das Bundesverfassungsgericht lediglich eine Präzisierung des Gesetzes gefordert, nach der die Mehrheitsgewerkschaft die Interessen der Minderheit zu berücksichtigen hat. Ansonsten hat das höchste deutsche Gericht das Tarifeinheits-Prinzip bestätigt“, so Dr. Doublet. „Das positive Signal, das von dieser Entscheidung ausgeht ist, dass auch künftig Arbeitgeber und Arbeitnehmer wissen, welcher Tarifvertrag für sie gilt und angewendet werden kann. Widersprüchliche Regelungen für dieselbe Arbeitnehmergruppe bleiben damit ausgeschlossen.“

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall kritisiert die Vorstellungen in der IG Metall zur Arbeitszeit. Systematische, flächendeckende und unkompensierte Arbeitszeitverkürzungen passen absolut und definitiv nicht in die Zeit. Der Fachkräftemangel in der M+E-Industrie wird von Tag zu Tag stärker. Es wäre daher ein standortpolitischer Wahnsinn, die bestehende Fachkräftelücke mit Gewalt zu vergrößern. Präsident Macron schafft in Frankreich gerade die 35-Stunden-Woche ab, da wollen manche in der IG Metall gegen den Willen der Belegschaften eine 28-Stunden-Woche.

Flexible Arbeitszeiten hingegen sind für Beschäftigte und Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie gleichermaßen wichtig. Das hat bereits die Befragung der Beschäftigten der Metall- und Elektro-Industrie zum Thema Arbeitszeit gezeigt, die Emnid Anfang des Jahres für Gesamtmetall durchgeführt hat. Die Umfrage zeigt überdeutlich, dass eine kollektiv finanzierte Arbeitszeitverkürzung keinen Rückhalt bei den Beschäftigten hat. Wer persönliche Auszeiten nehmen will, soll sich die selber erarbeiten, so das klare Votum der Beschäftigten.

Auch die Umfrage der IG Metall bestätigt die große Zufriedenheit der Beschäftigten mit den Arbeitszeitregelungen in der deutschen Metall- und Elektro-Industrie. Allerdings erfordern der mittelfristig starke Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials, der Fachkräftemangel und der Strukturwandel in Wirtschaft und Gesellschaft deutliche Anpassungen. Die Tarifvertragsparteien müssen deshalb die Arbeitszeitregelungen entsprechend den Bedürfnissen von Unternehmen und Beschäftigten weiterentwickeln und dabei in einer ausgewogenen Balance halten.

Schon heute machen die Unternehmen vieles möglich. Aber wie auch immer eine neue Balance aussieht, sie darf Arbeit nicht noch teurer machen. Und: Der Kunde – und nur der Kunde – bestimmt, wie viel Arbeit vorhanden ist, und er bestimmt heute auch, wann sie erledigt sein muss. Deshalb müssen die Unternehmen die betrieblichen Abläufe, die Organisation der Arbeit und die Gestaltung und den Umfang der Arbeitszeit den Bedürfnissen der Kunden anpassen.

Die M+E-Arbeitszeitumfrage unter Beschäftigten und Unternehmen: https://www.gesamtmetall.de/aktuell/publikationen/studie-die-arbeitszeit-bei-me-aus-sicht-von-arbeitgebern-und-arbeitnehmern

Als „klares Signal des Aufbruchs, der Modernisierung und des Anpackens“ haben die nordrhein-westfälischen Unternehmer den Koalitionsvertrag von CDU und FDP für das Land begrüßt. Die neue landespolitische Agenda der nächsten fünf Jahre vermittle den Eindruck eines ambitionierten, politikfeldübergreifenden Gesamtkonzepts mit den richtigen Prioritäten, dessen Umsetzung Nordrhein-Westfalen in absehbarer Zeit wieder nach vorn bringen könne. Der Präsident der Landesvereinigung der Unternehmensverbände Nordrhein-Westfalen (unternehmer nrw), Arndt G. Kirchhoff, sagte am Montag in Düsseldorf, der Koalitionsvertrag habe das Zeug, wieder ein positives Grundempfinden für die Bedeutung von Wirtschaft und Industrie im Land zu entfachen und in allen Regionen des Landes Aufbruchsstimmung bei Unternehmen, bei Investoren und bei Beschäftigten zu erzeugen. „Die neue Regierungskoalition zeigt, dass sie keine Lust auf Mittelfeldplätze hat, sondern unser Land wieder an die Spitze der Wirtschaftsstandorte in Deutschland und Europa führen will“, erklärte Kirchhoff. Er sei zuversichtlich, dass das Ziel „Auf Sieg spielen statt auf Platz setzen“ bei einer entschlossenen und konsequenten Umsetzung des Koalitionsvertrages gelingen könne.

Die sich abzeichnende deutliche Aufwertung des Wirtschaftsressorts bewertete der Unternehmerpräsident als „zentrale Weichenstellung“ des Koalitionsvertrages. „Wenn das Wirtschaftsministerium tatsächlich eine Koordinierungsfunktion bei allen Fragen erhält, die für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen unseres Landes von Bedeutung sind, lässt dies für die nächsten Jahre ein mutiges und ehrgeiziges Regierungshandeln für Wachstum und Arbeitsplätze erwarten“, betonte Kirchhoff. Er hoffe, dass dieses Ministerium bei der endgültigen Ressort-Aufteilung auch tatsächlich die ausschließliche Zuständigkeit für die gesamte Energiepolitik sowie weitreichende Kompetenzen in den Bereichen Innovation, Technologie und Landesplanung erhalte.

Einen „überzeugenden Beleg“ für die politikfeldübergreifende Grundphilosophie des Koalitionsvertrages nannte Kirchhoff das Vorhaben, den Erhalt, die Modernisierung und den bedarfsgerechten Ausbau der Verkehrsinfrastruktur zu einem Schwerpunkt der Landespolitik zu machen, dem sich alle Ressorts der Landesregierung verpflichtet fühlen. „Eine zügige und damit sichtbare Umsetzung dieses Vorhabens wird bei Unternehmen und Beschäftigten eine Stimmung des ‚Da geht was in NRW‘ erzeugen“, sagte er. Gleichermaßen dringlich und zukunftsweisend sei das verbindliche Ziel, NRW bis spätestens zum Jahr 2025 mit flächendeckenden, konvergierenden Gigabit-Netzen auszustatten und dabei zunächst schnellstmöglich alle Gewerbegebiete, Schulen, Bildungseinrichtungen und Landesbehörden zu berücksichtigen.

Ausdrücklich begrüßte Kirchhoff das Festhalten an richtigen Weichenstellungen der rot-grünen Vorgängerregierung im Koalitionsvertrag. Dies gelte insbesondere für das Vorhaben, die im Wirtschaftsministerium erarbeiteten industriepolitischen Leitlinien zu einem industriepolitischen Leitbild mit verbindlichen Zielen für die gesamte Landesregierung weiterzuentwickeln. „Hier hat Wirtschaftsminister Garrelt Duin eine gute Vorlage geliefert“, sagte Kirchhoff. Er freue sich ebenso, dass auch das Mittelstandsförderungsgesetz und das Wirkungsumfeld der Clearingstelle Mittelstand gemeinsam mit Wirtschaft, Gewerkschaften und Kommunen weiterentwickelt werden soll.

Als „von Unternehmen und Bürgern sehnsüchtig erwartet“ bezeichnete der NRW-Unternehmerpräsident die Ankündigung eines Entfesselungsgesetzes mit Sofortmaßnahmen zum Abbau unnötiger Bürokratie. Dazu zähle zuvorderst die „eins-zu-eins-Umsetzung“ von Vorgaben des Bundes und der Europäischen Union. „Es ist gut, dass die Zeit des wettbewerbsverzerrenden Draufsattelns in NRW jetzt vorbei ist“, erklärte er. Dies gelte insbesondere für die Alleingänge in der NRW-Umweltpolitik.

Mit Blick auf die Bildungspolitik lobte Kirchhoff das ehrgeizige Ziel der Nordrhein-Westfalen-Koalition, beste Bedingungen für die Bildung zu schaffen. „Hier stehen die Signale eindeutig auf Aufbruch“, sagte er. Eine hochwertige Bildung sei Basis für die Innovationsfähigkeit des Landes und den Wohlstand jedes Einzelnen. Umfassende bauliche Modernisierungen und bessere technische Ausstattung von Schulen sowie mehr Autonomie und Spielräume für Bildungseinrichtungen zur Entfaltung von Kreativität und neuen Ideen seien die richtigen Impulse. „Ein zentraler und sehr zu begrüßender Ansatz ist hierbei die Fortbildungsinitiative für Lehrkräfte in der Nutzung digitaler Medien“, erklärte Kirchhoff. Mit neuen Lehr- und Lernmedien, aktualisierten Lehrplänen und gut qualifizierten Lehrkräften könnten junge Menschen in Nordrhein-Westfalen deutlich besser als bisher auf das Zukunftsthema Digitalisierung vorbereitet werden.

Koalitionsvertrag für Nordrhein-Westfalen 2017-2022 (909.04 KB)

Prof. Dr. Gisela Lück führte mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch kleine Experimente durch.
Prof. Dr. Gisela Lück führte mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch kleine Experimente durch.

„Naturwissenschaftliche Bildung schon im Kindergarten und in der Grundschule: sprachfördernd, inklusionssensibel und mit spannenden Experimenten“ – das war das Thema einer Vortragsveranstaltung für Erzieherinnen und Erzieher aus Kindertagesstätten in Siegen-Wittgenstein, die kürzlich im Haus der Siegerländer Wirtschaft in Siegen stattfand. Die Veranstaltung wurde von den Arbeitgeberverbänden Siegen-Wittgenstein angeboten und durchgeführt.

Expertin auf dem Gebiet der naturwissenschaftlichen Früherziehung und Referentin der Veranstaltung war Prof. Dr. Gisela Lück, Chemiedidaktikerin an der Universität Bielefeld: „Bereits im Vorschulalter nehmen Kinder an den Dingen ihrer Umgebung Anteil und versuchen, die Zusammenhänge ihres Umfelds zu ergründen. Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass sogar schon bei Drei- bis Fünfjährigen die entwicklungspsychologischen Voraussetzungen für einen Zugang zu naturwissenschaftlichen Phänomenen angelegt sind. Diesem nachweisbaren Interesse der Kinder kommt das bisherige Bildungsangebot aber nicht nach. Aus diesem Grunde haben wir spannende Experimente für Kinder im Kindergartenalter entwickelt, in denen sie erste Erfahrungen mit der unbelebten Natur machen.“

Kindergartenkinder sind begeistert dabei, wenn es um das Erkunden von Naturphänomenen geht. Auch im Grundschulalter setzt sich dieses Interesse fort. Daher ist es begrüßenswert, dass die Bildungsvereinbarungen für die Kita und die Lehrpläne für den Sachunterricht Naturphänomene verstärkt berücksichtigen. Dennoch stößt die praktische Umsetzung im Alltag oft auch auf Grenzen, weil die Heterogenität der Lerngruppen zu groß oder andere Themenfelder wie sprachliche Förderung ebenfalls einen hohen Stellenwert einnehmen. Der Vortrag von Frau Prof. Dr. Gisela Lück zeigte Wege auf, wie durch naturwissenschaftliche Bildung im frühen Kindesalter sowohl unterschiedliche Lerngruppen gleichzeitig gefördert werden und zudem auch sprachliche Kompetenzen unterstützt werden können. Er gab zudem einen Überblick über die Möglichkeiten naturwissenschaftlicher Förderung in Kindergarten und Grundschule, wobei ein besonderer Stellenwert auf neuere Untersuchungsergebnisse zur Förderung von Kindern mit Lernbarrieren gelegt wurde. Zudem wurden entwicklungs- und lernpsychologische Aspekte vorgestellt, die verdeutlichen, warum die frühe Hinführung zu naturwissenschaftlichen Phänomenen wirksam ist. Kleinere Experimente während des Vortrags forderten zum Nachmachen für zu Hause auf.

Die Arbeitgeberverbände Siegen-Wittgenstein engagieren sich schon seit einigen Jahren auf dem Gebiet der MINT-Bildung. MINT steht dabei für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Gerade diese Bereiche sind es, die in der heimischen Industrie besonders nachgefragt werden und bei denen inzwischen ein immer größer werdender Mangel an qualifizierten Nachwuchskräften festzustellen ist. Die Innovationskraft und die Leistungsfähigkeit der Ingenieure und der qualifizierten gewerblich-technischen Fachkräfte sind jedoch maßgeblich für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in Siegen-Wittgenstein. Sowohl aus Arbeitgebersicht wie auch aus gesellschaftspolitischer Perspektive haben die Arbeitgeberverbände deshalb ein großes Interesse daran, die naturwissenschaftliche Früherziehung gezielt in ihrer Verbandsregion zu unterstützen.

Diese Vortragsveranstaltung ergänzt die inzwischen vielfältigen MINT-Aktivitäten der Arbeitgeberverbände Siegen-Wittgen­stein. Dazu gehören beispielsweise auch der Einsatz der Miniphänomenta in Grundschulen oder das Projekt MINToringSi, die Begleitung von Abiturienten auf ihrem Weg in ein Studium.

Die meisten Beschäftigten in den Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie sind mit ihrer Arbeit und mit ihrer Arbeitszeit durchaus zufrieden. Das hat sowohl die Umfrage des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall wie auch die Mitgliederbefragung der IG Metall ergeben. Und dennoch brauchen die Betriebe wie auch die Beschäftigten Anpassungen an die sich rasant verändernde Arbeitswelt. Davon ist der VdSM Verband der Siegerländer Metallindustriellen e.V. in Siegen überzeugt.

 Und diese Veränderungen sind tiefgreifend. Sie ergeben sich zum einen aus den Folgen der zunehmenden Digitalisierung in den Produktionsprozessen sowie aus den ebenfalls sich verändernden Einstellungen der Beschäftigten zur Arbeit an sich. Einer Umfrage des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie Nordrhein-Westfalen zufolge erwarten beispielsweise drei von vier Betrieben einen steigenden Bedarf an lebensphasenorientierten Freistellungen. „Die Herausforderung besteht nun darin, die persönliche zeitliche Souveränität und Flexibilität mit den jeweiligen betrieblichen Anforderungen in Einklang zu bringen. Das darf aber keinesfalls zu Lasten der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen gehen“, unterstreicht VdSM-Geschäftsführer Dr. Thorsten Doublet.

 Derzeit pralle die betriebliche Realität der zunehmenden Digitalisierung in den Unternehmen noch auf eine Arbeitszeitregelung aus dem letzten Jahrhundert. Das könne auf Dauer nicht so bleiben. Vielmehr benötige man möglichst rasch eine Modernisierung. „Mehr als 60 Prozent der Betriebe fordern laut Umfrage eine entsprechende tarifliche Anpassung. Ebenfalls 60 Prozent sind auch für eine Aufhebung der gesetzlich festgelegten täglichen 10-Stunden-Obergrenze zugunsten einer flexibleren Wochenregelung“, so Doublet weiter. „Und dazu wären auch drei von vier Beschäftigten bereit.“

 Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird zukünftig in den M+E-Betrieben in Siegen-Wittgenstein an Bedeutung gewinnen. In vielen Unternehmen gebe es bereits heute schon entsprechende Angebote. „Dabei spielt die Attraktivität von Beschäftigung ebenso eine Rolle wie die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte. In einer Region mit langfristig rückläufiger Bevölkerungszahl hat dies für die Unternehmen einen besonderen Stellenwert.“ Und dennoch dürfe diese Flexibilität keine Einbahnstraße sein. An erster Stelle stünden immer noch die Bedürfnisse der Kunden. „Sie bestimmen darüber, ob und wann überhaupt Arbeit da ist.“

 Sowohl der Gesetzgeber wie auch die Tarifpartner stehen nach Ansicht des VdSM vor der Aufgabe, das Thema Arbeitszeit so familienfreundlich wie möglich für die Beschäftigten und gleichzeitig so wettbewerbsorientiert wie nötig für die Unternehmen neu und zukunftsorientiert zu regeln. „Was wir nicht brauchen, sind ideologische Auseinandersetzungen, wie sie beispielsweise in der Vergangenheit beim Thema Arbeitszeit vorkamen. Damit wäre niemandem geholfen“, meint Dr. Doublet abschließend.

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