Berichte: Das Geld für den Einzelhandel wird knapper
Freitag, 16. Juli 2010 |
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Siegen, 16. Juli 2010. Rund 2,16 Milliarden Euro haben die Einwohner der Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe in diesem Jahr voraussichtlich für Einzelhandelskäufe übrig. Das sind 79 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Neben Bevölkerungsrückgängen in der Region hat sich zuletzt auch der Konjunktureinbruch negativ auf den privaten Konsum ausgewirkt. Mittel- und langfristig planen zudem die hiesigen Privathaushalte wie auch bundesweit vom verfügbaren Einkommen immer weniger Geld für Einkäufe im Einzelhandel ein. Das geht aus den jüngsten Prognosedaten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hervor, die die Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK) jetzt vorgelegt hat.
Im IHK-Bezirk ging etwa der Anteil der so genannten Einzelhandelskaufkraft – das Budget für den Einzelhandel – an der Gesamtkaufkraft von 2003 bis heute von knapp einem Drittel auf nun 27 Prozent zurück. Die Gesamtkaufkraft misst das verfügbare Nettoeinkommen der Bevölkerung inklusive staatlicher Leistungen wie Arbeitslosengeld, Kindergeld oder Renten. Diese ist im laufenden Jahr im IHK-Bezirk im Vergleich zu 2009 „nur“ um 49 Millionen Euro zurückgegangen, also deutlich geringer als die Einzelhandelskaufkraft (minus 79 Millionen Euro).
Es gibt mehrere Ursachen für das schwindende Budget für den Einzelhandel. Zum einen geben die Bürger für andere Konsumsparten immer mehr aus, notgedrungen vor allem wegen gestiegener Energie- und Kraftstoffkosten, aber auch freiwillig bei Ausgaben, etwa für Gesundheit oder Bildung. Zum anderen sparen die Bundesbürger immer mehr. Neben verstärkten Bemühungen zur finanziellen Zukunftsvorsorge hat aktuell auch noch die Euro-Krise zusätzlich zur Verunsicherung der Bürger beigetragen und dazu geführt, dass sie ihr Geld lieber sparen, als für Konsumzwecke zu verwenden. Laut einer Erhebung des statistischen Bundesamts lag die Sparquote im ersten Quartal 2010 bei 15,2 Prozent. Damit sparen die Deutschen so viel wie seit 1993 nicht mehr. Zum Vergleich: In den USA liegt die Sparquote bei nur 2,7 Prozent.
Die hohe Sparquote in Deutschland geht nach den Erhebungen des statistischen Bundesamts ganz eindeutig zu Lasten des privaten Konsums, der im ersten Quartal um 0,8 Prozent sank. Die Prognose der GfK geht für 2010 ebenfalls von einem geringen Rückgang der gesamten Kaufkraft um 7,5 Milliarden (minus 0,5 Prozent) aus. Bei der Einzelhandelskaufkraft geht die GfK von einem Rückgang um 10,4 Milliarden Euro (minus 2,4 Prozent) aus.
Angesichts dieser ungünstigen Rahmenbedingungen weist die Prognose der GfK für die Einzelhandelsumsätze in Deutschland und auch in den Kommunen des IHK-Bezirks eine relativ stabile Entwicklung auf. Auch angesichts der voraussichtlich geringen Inflationsrate können die Einzelhändler 2010 laut GfK noch passable Ergebnisse erzielen:
Im Ergebnis rechnet die GfK im laufenden Jahr für ganz Deutschland mit einem nur leicht fallenden Umsatz im stationären Einzelhandel von 388,1 Milliarden Euro. Im IHK-Bezirk werden es mit voraussichtlich knapp 2 Milliarden Euro nur etwas weniger als im vergangenen Jahr sein. Umsatzkrösus bleibt auch 2010 der Einzelhandel im Oberzentrum Siegen mit 713 Millionen Euro, gefolgt von der Stadt Kreuztal mit 177 Millionen Euro und der Kreisstadt Olpe mit 151 Millionen Euro.
Insgesamt wird es im Schnitt voraussichtlich den Kommunen im Kreis Olpe besser als im Kreis Siegen-Wittgenstein gelingen, das vorhandene Kaufkraftpotenzial vor Ort zu binden. Der Maßstab dafür ist die Handelszentralität. Im Südsauerland wird eine Steigerung um 1,4 Punkte erwartet, im Gegensatz zum Plus von nur 0,2 Punkten in Siegen-Wittgenstein.
Wie sich das vorhandene Kaufkraftpotenzial konkret auf die Einzelhandelsumsätze der Kommunen im IHK-Bezirk verteilt, geht detailliert aus der Übersicht der IHK Siegen hervor, die die Daten der GfK im Zeitablauf wiedergibt. Obwohl laut IHK aufgrund sich ändernder Berechnungsgrundlagen der GfK ein direkter Vergleich mit Vorjahreszahlen unzulässig ist, spiegelt die Datenübersicht den langfristigen Trend der Entwicklung des Einzelhandels in den einzelnen Kommunen zutreffend wider. Das war auch ein wichtiges Ergebnis des neuen Einzelhandelsatlasses, den die IHK noch im April dieses Jahres vorstellte. GfK-Zahlen und Einzelhandelsatlas sind mithin gute Instrumente für die Kommunen der Region, um Entwicklungstrends zu erkennen und darauf entsprechend, etwa durch Einzelhandeskonzepte oder eine Verbesserung des Stadtmarketings, frühzeitig zu reagieren.
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