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Auf den Punkt - Infos der Wirtschaftsförderung des Kreises Siegen-Wittgenstein

„Nachhaltigkeit“ ist der Schlüssel in der Automobilindustrie
Donnerstag, 15. Juli 2010

Matthias Wissmann sprach gestern auf der Unternehmertagung 2010 in Olpe.Olpe, 16. Juli 2010. "Nach der tiefsten Krise der Automobilindustrie in 2008/2009 schauen wir in unserer Branche mit viel Zuversicht in die Zukunft“, betonte gestern Abend der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, auf der Unternehmertagung 2010 in der Stadthalle Olpe. Der langjährige Politiker sprach zum Thema „Mobilität der Zukunft gestalten  –  Konzepte der deutschen Automobilindustrie“. In der Welt des 21. Jahrhunderts besiegten nur die innovativsten und schnellsten Wettbewerber die langsamen Konkurrenten. „Dieses Prinzip wurde von der deutschen Automobilindustrie in der Krise durchgehalten, das ist Nachhaltigkeit“, betonte der frühere Bundesverkehrsminister. Die deutsche Automobilindustrie hätte dabei auf wichtigen Auslands-Märkten – etwa USA, China, Indien – sogar Marktanteile hinzugewonnen.

Apropos Nachhaltigkeit: Wenn man seinen Vortrag auf ein Wort reduzieren wollte, würde sicher dieser Begriff herauskommen – so oft wurde er von ihm in den Mund genommen. Man habe sich beispielsweise 2008/2009 in den Reihen des VDA geschworen, aus früheren Krisen zu lernen, die Stammbelegschaften zu halten und die „Blutzufuhr zum Kopf“ nicht zu kürzen, sprich die Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen auf höchstem Niveau zu halten. Ende 2009 habe die deutsche Autoindustrie ihre E+E-Ausgaben sogar um über 4 Prozent auf 20,5 Mrd. € erhöht. Das sei Nachhaltigkeit.  Gerade die Politik habe in der Krise diese Anstrengungen nachhaltig unterstützt  „… und zu 90 Prozent die strategisch wichtigsten Entscheidungen in der Sache und im Timing getroffen“.

Die deutschen Automobilhersteller seien dabei, so Matthias Wissmann, sicherlich  nicht die billigsten, aber die innovativsten Anbieter in allen Autoklassen. „Selbst im preiswertesten Segment gewinnen wir hinzu“, betonte Matthias Wissmann. Beispielsweise enthalte das derzeit  preiswerteste Auto, der Tata Nano,  zu 30 Prozent Teile von deutschen Zulieferern, die allerdings überwiegend in Asien produziert würden.

Auch für die Zukunft bleibe es wichtig, so Matthias Wissmann weiter, dass die deutsche Automobilindustrie und ihre Zulieferer weiterhin auf Nachhaltigkeit setzten. „Wir müssen den wirtschaftlichen Erfolg sichern und verstehen, dass sich die Mobilitätswelt in den nächsten Jahrzehnten rasant verändert“. Die weltweite Pkw-Fahrleistung werde sich verdoppeln, die Urbanisierung schreite voran, 72 Mega-Städte mit über fünf Millionen Menschen entständen in kurzer Zeit  und zwei Drittel der Menschheit lebten in 20 Jahren in Städten. Deshalb müssten neue Mobilitätskonzepte entwickelt, Probleme in der Partnerschaft der verschiedenen Verkehrsträger gelöst, effiziente Logistik- und Telematik-Konzepte umgesetzt und neue umweltfreundliche Antriebe geschaffen werden.

Von links nach rechts: Stephan Stracke (Geschäftsführer Arbeitgeberverband Olpe), Arndt G. Kirchhoff (Attendorner Unternehmer und Stv. Vorsitzender des AGV Olpe), IHK-Präsident Klaus Th. Vetter, Matthias Wissmann und Olpes Landrat Frank Beckehoff. Die deutschen Autohersteller und ihre Zulieferer wiesen beim Klimaschutz einen „riesigen Ehrgeiz“ auf: In sechs von zehn Segmenten wären deutsche Fahrzeuge jetzt schon CO2-Champions.  Neue Techniken wie Leichtbau oder Einspritzsysteme würden künftig bei den herkömmlichen Verbrennungsmotoren zu deutlich reduzierten Emissionen und geringerem Kraftstoff-Verbrauch führen. „Gleichzeitig investieren wir auch in alternative Antriebskonzepte“. Darüber hinaus wolle die deutsche Automobilindustrie  bei der Entwicklung neuer Speichertechnologien, sprich Batterien für Elektro-Autos, vorne mit dabei sein. Man werde auch alles daran setzen, um eine Batterie-Fertigung in Deutschland zu organisieren. Diese „alternativen“ F+E-Anstrengungen wären notwendig und nachhaltig, um die führende Position im Wettbewerb zu erhalten.

Arndt G. Kirchhoff, Attendorner Unternehmer und stv. Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Olpe, hatte zuvor ebenfalls den Blick nach vorne gerichtet  und betont, dass die meisten Güter und Dienstleistungen in den nächsten zehn Jahren heute noch gar nicht bekannt seien. Schlüsseltechnologien und Trends (Nano, Mikro, Elektro, Wertstoff-Kreisläufe, Ressourcen-, Energie- und Material-Effizienz) bestimmten diese Produkte. Die Unternehmen müssten sich noch schneller bewegen. In der Region wolle man sich künftig noch besser vernetzen, um das Tempo der Innovationen zu steigern. Diesem  Zweck diene auch das geplante neue Kompetenzzentrum Südwestfalen, ein 25 Millionen Euro teures Projekt der Automobilzulieferer. Hier solle mit Unterstützung von Uni Siegen und Fachhochschule Südwestfalen  die Vernetzung erfolgen und Innovationen erzeugt werden.

Der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes Olpe, Felix G. Hensel, sprach  bei der Eröffnung der Unternehmertagung 2010 die konjunkturelle Situation im Kreis Olpe an (und meinte nicht nur das aktuelle Wetter): Nachdem ein Jahr zuvor noch ein eiskalter Wind geweht habe, blase er jetzt in ganz Südwestfalen warm, zum Teil sogar heiß. „In unserer Region, speziell im Kreis Olpe, herrscht in der Industrie wieder Vollbeschäftigung, teilweise sogar Überbeschäftigung“. In der Krise habe die Zusammenarbeit mit Betriebsräten und Gewerkschaften in den Unternehmen bestens funktioniert. Man habe die Stammbelegschaften halten können, was jetzt wieder ein Vorteil sei. Darüber hinaus hätten die Tarifparteien und die allgemeine Politik ebenfalls unterstützend und stabilisierend gewirkt. „Insgesamt gesehen ist die Industrie stärker und schneller aus der Krise gekommen als erwartet. Die Frage ist aber, ob diese Konjunkturentwicklung nachhaltig ist“, betonte Felix G. Hensel beispielweise mit kritischem Blick auf die Verknappungs-und Verteuerungstendenzen auf vielen Rohstoffmärkten.




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