Berichte: Spürbare Rückgänge am Lehrstellenmarkt
Montag, 28. Juni 2010 |
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Siegen, 28. Juni 2010. Die Industrie- und Handelsunternehmen im Kreis Siegen-Wittgenstein haben in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres 815 Lehrverträge mit jungen Menschen abgeschlossen. Der Rückgang gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres falle mit 9,7 Prozent deutlicher aus als noch zu Beginn des Jahres erhofft. Dies machte Klaus Th. Vetter, Präsident der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK), bei der Vorlage der Halbzeitbilanz zum Ausbildungsjahr 2010 deutlich: „Im Wesentlichen sind die Rückgänge auf die konjunkturellen Probleme der Unternehmen zurückzuführen. Zudem machen sich erste Anzeichen der demografischen Entwicklung bemerkbar.“
Zwar sei die Konjunktur in vielen Bereichen wieder angesprungen. Insbesondere die Industrieunternehmen trauten der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung jedoch noch nicht „flächendeckend“. Dies mache sich auch in einer spürbar behutsameren Bereitstellung betrieblicher Lehrstellen bei vielen Unternehmen bemerkbar. Voraussichtlich könne daher das hohe Niveau der letzten Jahre nicht beibehalten werden.
Die Lage in Siegen-Wittgenstein sei derzeit derjenigen im Kreis Olpe durchaus vergleichbar. Dort betrage das Minus 8,5 Prozent. Sorgen machen dem IHK-Präsidenten insbesondere die sinkenden Zahlen bei den gewerblich-technischen Lehrverträgen. Gerade weil das Facharbeiter-Image „aufpoliert“ gehöre, sei es aus seiner Sicht problematisch, dass in den für die regionale Wirtschaftsstruktur so bedeutsamen industriellen Metall- und Elektroberufen ein regelrechter Einbruch bei den Lehrverträgen in einer Größenordnung von 23 Prozent festzustellen sei. Vetter appellierte vor diesem Hintergrund nachdrücklich an die heimischen Unternehmen, in ihrer Ausbildungsleistung nicht nachzulassen: „Wer jetzt nicht vorsorgt, wird die demografische Entwicklung mit noch stärkerer Wucht in den kommenden fünf bis sieben Jahren zu spüren bekommen. Für Unternehmen, die den Fachkräftemangel beklagen, besteht zur betrieblichen Ausbildung keine sinnvolle Alternative. Ausbildung heute ist eine Investition in die Entwicklung von morgen.“
IHK-Hauptgeschäftsführer Franz J. Mockenhaupt verdeutlichte, dass es bei der Vorlage der Halbzeitbilanz jedoch durchaus auch einige Lichtblicke gebe. So sei in Siegen-Wittgenstein das Volumen an kaufmännischen Lehrverträgen sogar um 7,3 Prozent gestiegen. Im Handel betrage der Zuwachs derzeit rund 18 Prozent. Gehe die Entwicklung in den kommenden Monaten so weiter, könnten die Banken, der Handel und der Dienstleistungsbereich das hohe Niveau des Vorjahres beibehalten. Dies sei ausgesprochen erfreulich. Mockenhaupt rief die jungen Leute dazu auf, größtmögliche Flexibilität bei der Berufswahl an den Tag zu legen. In konjunkturell schwierigen Zeiten könne es nur schwerlich gelingen, jedem Bewerber seinen Wunschberuf zu ermöglichen. Zugleich bot der IHK-Hauptgeschäftsführer in diesem Zusammenhang das ganze Instrumentarium an IHK-Dienstleistungen an, wenn Unternehmen ernsthaft mit dem Gedanken spielten, kurzfristig noch neue Lehrstellen zu schaffen.
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